Über 20 Jahre lang durchsuchte SETI@home Radioteleskop-Daten nach Anzeichen außerirdischer Intelligenz. Ein eindeutiges Signal wurde nie gefunden – aber aus diesem lange belächelten Projekt ist die Software-Grundlage für die gesamte BOINC-Plattform entstanden, auf der heute Wissenschaft, Medizin und Technik weltweit rechnen.
SETI@home ging am 17. Mai 1999 an der University of California, Berkeley an den Start. Ziel war es, riesige Mengen an Radioteleskop-Daten – vor allem vom Arecibo-Observatorium – nach Mustern zu durchsuchen, die auf technologische Signale einer außerirdischen Zivilisation hindeuten könnten: charakteristische An- und Abstiege der Sendeleistung oder schmalbandige, pulsartige Übertragungen.
Die Resonanz übertraf alle Erwartungen: Die Initiatoren hatten mit rund 50.000 Freiwilligen kalkuliert, um überhaupt wissenschaftlich verwertbare Ergebnisse zu erzielen. Innerhalb weniger Tage waren es 200.000, ein Jahr später bereits 2 Millionen Teilnehmende. 2004 stellte das Projekt auf die eigens dafür entwickelte Plattform BOINC um; die alte SETI@home-Classic-Anwendung wurde Ende 2005 endgültig eingefroren.
Am 2. März 2020 gaben die Verantwortlichen bekannt, die Verteilung neuer Arbeitspakete zum 31. März zu beenden – nach knapp 21 Jahren. Der Grund war kein gescheitertes Projekt, im Gegenteil: Man hatte im Wesentlichen alle Daten ausgewertet, die für den Moment zur Verfügung standen, und wollte die verbleibenden Ressourcen in eine gründliche wissenschaftliche Analyse und Veröffentlichung stecken statt in den laufenden Betrieb.
Die finale wissenschaftliche Auswertung erschien Anfang 2026 im Astronomical Journal: Aus rund 12 Milliarden zunächst auffälligen Signalen wurden über die Jahre etwa 100 Kandidaten herausgefiltert, die als besonders bemerkenswert gelten. Seit Mitte 2025 werden diese gezielt mit dem chinesischen FAST-Radioteleskop erneut beobachtet, um zu prüfen, ob sich die Signale wiederholen – ein entscheidendes Kriterium, um natürliche Störquellen von etwas Interessanterem zu unterscheiden. Eine endgültige Bewertung dieser Nachbeobachtung steht noch aus.
Lange wurde SETI@home milde belächelt – die Suche nach „kleinen grünen Männchen" am heimischen PC. Der bleibende Ertrag war am Ende aber nicht ein empfangenes Signal, sondern die Software, die für die Suche danach entwickelt wurde: BOINC selbst. Genau diese Plattform trägt heute die anderen Projekte dieser Seite:
Ohne SETI@home gäbe es die Infrastruktur nicht, auf der all diese Projekte heute laufen. Was 1999 als Suche nach Außerirdischen begann, ist so zur technischen Grundlage für einen ganzen Zweig der Bürgerwissenschaft geworden – auch wenn davon nicht die Aliens profitiert haben, sondern Forschung in Medizin, Physik, Astronomie und vielen anderen Bereichen.
Das war SETI@home – der Ursprung der BOINC-Plattform, auf der diese ganze Seite aufbaut. Diese Reihe wird mit weiteren Projekten fortgesetzt, an denen ich mich beteilige.